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Samstag am Bergfinken-Schlafplatz:
16Uhr. noch keiner zu sehen. Stille. leicht bewölkt, Abendsonne. fast völlige Windstille.
einzelne Sperber tauchen auf. drei verschwinden in einer Schonung gegenüber dem Schlafplatz in jungen Fichten. ein einzelner fliegt hoch über dem Wald vorüber in die andere Richtung. das waren die einzigen Prädatoren vor Ort, die wir sahen.
ein Rotmilan, weiter westwärts durchsegelte die Abendsonne und war offensichtlich nur an Mäusen auf dem Feldstück interessiert.
gegen 16:30 erschienen die ersten vereinzelten Bergfinken in den Kronen des gegenüberliegenden Buchenwaldes. wir gingen den Waldweg ein stückweit hoch.
das trockene Laub unter den Bäumen war übersprenkelt von den weißen Hinterlassenschaften der letzten Tage.
ein Kleiber ließ sich blicken, ein Buntspecht, Meisen. aus dem Hintergrund waren hie und da Schwarzspechte zu hören. Wintermücken tanzten am Waldrand vor uns in kleinen Schwärmen in der Sonne. ein kleines filigranes Vorspiel für das was gleich über uns stattfinden sollte. wir postierten uns auf der Wiese zwischen den zwei Waldstücken.
die Finken begannen sich zu sammeln, in kleinen Trupps aufzusteigen und umherzufliegen. erst zu circa zwanzig, dann zu fünfzigst dann bald unzählbar wenn sich die Trupps vereinten. sie wurden nach jeder Zwischenlandung in den Buchenkronen zahlreicher. bald waren es langgezogene Schwärme geworden, die bei Richtungsänderungen zu brausen begannen. im Flug waren ihre Rufe selten. aber aus den Baumkronen wurden sie im Sitzen immer lauter.
bald wogten die Schwärme aus allen Richtungen über uns hinweg, flossen ineinander und hoben sich wellenförmig aus den Zweigen, sodass die, die schon in den Bäumen gelandet waren, wiederholt mitgerissen wurden am halben Mond vorbei und wieder zurück.
der Schlafplatz wurde dabei immer dichter angeflogen und mit einsetzender Dämmerung ließen sich immer mehr im Gezweig nieder. sie widmeten sich fast alle gleich der Gefiederpflege und die Lautstärke der Rufe und Stimmen aus zigtausend Kehlen nahm noch weiter zu bis es zu einem beeindruckenden Rauschgezwitscher anschwoll das weit zu hören war.
dicht am Waldrand konnten wir das Spektakel ganz aus der Nähe auf uns wirken lassen. einige Federn sanken dabei langsam auf uns herab.
dadurch dass sich fast alle im Sitzen westwärts zur Freifläche hin ausrichteten, wirkten die orangefarbenen Finkenbrüste wie aufgereihte Schmuckgirlanden - als würde die letzte Abendsonne zigfach im Gezweig gespiegelt, langsam verglimmen.
aber teilweise wirkten die Waldrandbäume auf mich, vor allem die abgestorbenen, auch wie dicht besetzte Vogelfelsen. da kam ich mir recht klein vor, bei der Perspektive und bei der überwältigenden Anzahl.
mit solch bereichernden Eindrücken und etwas klamm von der Abendkühle suchten wir den Heimweg.
Alcedo

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