Hallo zurück!
Oh, mach Dir wg. der deutschen Sprache keine Gedanken, es gibt so manche German Natives (mich inbegriffen), die so einige Ringkämpfe mit der Sprache auszufechten haben und nicht immer dabei gewinnen.
Du bist mobil, das ist schon mal eine gute Voraussetzung. Ich gehe auch davon aus, dass Du mit Fernoptik (d.h. mindestens Fernglas, besser Spektiv) unterwegs bist.
Nun kenne ich Deine Maßstäbe nicht, es gibt Leute, die wg. eines Neuntöters 2 Stunden unterwegs sein würden, andere bekommen bei Sichelstrandläufern in Nachbars Garten den Hintern nicht hoch ('Buh, wie langweilig!').
Ich kann in Berlin am ehesten zum Norden und Nordosten etwas sagen. Der Spandauer Forst ist mit kleinen, teils vermoorten Gewässern durchsetzt und nicht uninteressant, dort habe ich im letzten Jahr z.B. einen Zwergschnäpper gehört. Am Tegeler See kann man von der Greenwichpromenade aus nette Beobachtungen von Wasservögeln haben, es empfiehlt sich die erste Tageshälfte, weil das Licht besser und noch nicht so viele Leute unterwegs sind. Das Tegeler Fließ ist ein relativ naturnaher Bach, an dem man schön entlang wandern kann. Es gibt dort z.B. Gebirgsstelzen als Brutvögel und auch immer wieder mal einen Eisvogel. Wenn man am Fließ entlang nach Osten wandert, kommt man durch das Lübarser Fließtal, dort hat man teils Wiesen, teils Pferdekoppeln mit der entsprechenden Vogelwelt (z.B. Weißstörche, Neuntöter, Mehl- und Rauchschwalben, Schafstelzen, Braunkehlchen). Jenseits des früheren Grenzstreifens liegt der Köppchensee, den man gut einsehen kann, auch dort hat man mit etwas Glück schöne Beobachtungsmöglichkeiten (z.B. Greifvögel wie Milane oder Fischadler). Der Köppchensee liegt in einem Naturschutzgebiet mit Streuobstwiesen, wenn man sich dort vorsichtig bewegt, kann man in teils kurzer Distanz Vögel vor sich haben (sehr häufig Neuntöter, aber auch andere Arten halboffener Landschaften (Goldammern!)). Im letzten Jahr habe ich dort eine Sperbergrasmücke gesehen, und vor einigen Wochen wurde dort ein Wendehals gemeldet, den zu entdecken ich allerdings nicht geschafft habe.
Im Nordosten der Stadt, im Bezirk Pankow, gibt es weitere hochinteressante Gebiete.
Zunächst die Karower Teiche, die Wasser-, aber auch Schilfvögel beherbergen und die wg. vorhandener Beobachtungsplattformen auch gut eingesehen werden können. Nördlich davon liegt die Lietzengrabenniederung, eine von Gräben durchzogenene Wiesenlandschaft, an deren tiefster Stelle sich eine verschilfte Wasserfläche befindet. Das Gebiet ist etwas weitläufig und unübersichtlich, aber abwechslungsreich. Leider hat die Wasserfläche infolge von Bewirtschaftungsmaßnahmen einen höheren Wasserstand als noch vor einigen Jahren, so dass sich dort weniger Limikolen als früher aufhalten. Aber Kraniche gibt es immer noch.
Letzter Tipp für Berlin: Die Moorlinse am S-Bahnhof Buch, ein vielleicht 2 Hektar großes Gewässer im breitem Schilfgürtel. Im Süden der Linse gibt es seit Kurzem eine Beobachtungsplattform, und es lohnt sich, dort etwas zu verweilen, denn eine Recherche bei Ornitho (das ist eine Internetplattform zur Verwaltung von Vogelbeobachtungen) hat ergeben, dass dort nicht weniger als 192 Arten nachgewiesen worden sind.
Außerhalb von Berlin empfehle ich immer den Gülper See nördlich von Rathenow, eine Top-Adresse für Birderinnen und Birder mit sehr breitem Artenspektrum sowie mit Potenzial für Überraschungsgäste, so wurden dort im letzten Jahr z.B. Weißbürzel-Strandläufer, Thorshühnchen und Baltische Heringsmöwe gemeldet!
Am Südufer gibt es zwei Hütten und einen Beobachtungsturm. Ggw. ist der Wasserstand niedrig, d.h. die Bedingungen für die Sichtung von Limis sollten dort recht gut sein, man muss sie halt nur in der Masse der Graugänse entdecken...
Ebenfalls einen Besuch wert ist der Nationalpark Unteres Odertal. Auch hier kann man viele teils nicht alltägliche Arten sehen oder wenigstens hören. Das Gebiet ist weitläufig, aber vielleicht hast Du das Glück, dort einen Seggenrohrsänger zu sehen.
Eher anekdotenhaft sei noch vermerkt, dass sich im Randowbruch in der südlichen Uckermark 2016 ein Gleitaar und 2017 ein Adlerbussard aufgehalten haben, und dies in mehr oder weniger derselben Ecke! Mal schauen, wer 2018 sich dort einfindet, vielleicht ein Geierchen, das wäre ja auch mal was Feines.
Good luck and have fun,
Steffen