Seite 1 von 1

Spatzen und Pfaffenhütchen

Verfasst: 20 Aug 2024, 11:58
von Erika
Liebe Vogelfreunde,

ich beobachte seit zwei Jahren Spatzen, die in meinem Pfaffenhütchen in Massen die grünen Blätter abbeißen und daran herum knabbern. Die Blätter werden direkt am Stängelgrund abgebissen, dann knabbern sie noch ein wenig daran herum und lassen sie schließlich fallen. Unter dem Pfaffenhütchen sieht es wie im Herbst aus. Ich habe die Blätter auf Schädlinge wie z.B. Läuse, Milben usw. untersucht, aber nichts feststellen können. Wassermangel kann es eigentlich auch nicht sein, denn sowohl im meinem Garten als auch in den Gärten der Nachbarn stehen Vogeltränken. Könnt ihr mir weiterhelfen?

Gruß aus Wolfenbüttel, Erika

Re: Spatzen und Pfaffenhütchen

Verfasst: 06 Okt 2025, 10:07
von Erika
Liebe Vogelfreunde,

seit über 1 Jahr steht meine Frage nun im Birdnet und auch dieses Jahr waren die Spätzen wieder am Werk. Viele haben sie gelesen und keiner hat eine Idee oder Lösung. Schade! Ich könnte mir vorstellen, dass das ein Thema für eine Semester- oder Diplomarbeit werden kann. Danke für euer Interesse.

Liebe Grüße aus Wolfenbüttel, Erika

Re: Spatzen und Pfaffenhütchen

Verfasst: 06 Okt 2025, 10:21
von Arnd
Hi Erika,
Pfaffenhütchen sind für Säugetiere giftig, für Vögel nicht (Beeren werden gerne gefressen).
Warum Sperlinge (oder andere Vögel) an grünen Pflanzenteilen knabbern (offenbar ja sehr gezielt, aber ohne größere Mengen aufzunehmen), weiss ich nicht.
Gruß
Arnd

Re: Spatzen und Pfaffenhütchen

Verfasst: 06 Okt 2025, 17:45
von Erika
Hallo Arnd,

danke für deine Antwort! Es ist wirklich faszinierend, wie die Spatzen im Mengen einfallen und die grünen Blätter abbeißen. Da kann man nur spekulieren und vielleicht hilft ihnen das Gift gegen Ungeziefer - blöder Gedanke, aber man kann ja mal um die Ecke denken.

Liebe Grüße aus Wolfenbüttel, Erika

Re: Spatzen und Pfaffenhütchen

Verfasst: 19 Okt 2025, 12:55
von Alcedo_
hallo Erika

das habe ich schon vor einem Jahr gelesen, war aber damals ratlos geblieben. das Verhalten dieser Sperlinge interessiert mich sehr.

mittlerweile habe ich eine Vermutung, aber mir fehlen noch einige Informationen:

- wann beginnt das Entblättern des Spindelstrauches? vor der Brutzeit? oder erst nachdem die ersten Jungsperlinge flügge sind?

- wie weit ist der Spindelstrauch von der Hecke oder dem Gebüsch entfernt in dem der Sperlingstrupp seine täglichen Ruhepausen einnimmt?
- befinden sich Brutplätze der Sperlinge in der Nähe?
- beteiligen sich alle Sperlinge am Entlauben oder eher die Adulten?
- welchen Regionen des Spindelstrauches werden zuerst entlaubt? beginnt das von unten? oder aus der Mitte heraus? welche Blätter bleiben eher unbeachtet. die ganz oben oder die ganz unten am Strauch?

Gruß
Alcedo

Re: Spatzen und Pfaffenhütchen

Verfasst: 21 Okt 2025, 16:59
von Erika
Hallo Alcedo,

ich will versuchen deine Fragen zu beantworten. Das Entblättern beginnt Mitte August. Spatzen sind in unseren Gärten - Reihenhausanlage - selbst im Winter am Futterhäuschen kaum zu sehen, es gibt auch keine Brutplätze in der Nähe. Umso auffälliger ist eben das Einfallen der Spatzen. Eine Präferenz - oben, unter, Mitte - konnte ich nicht feststellen. es wird der ganze Strauch angenommen. Mein Pfaffenhütchen bildet keine oder kaum Früchte aus, wird aber wunderbar rot. Mehr kann ich dir nicht erzählen.

Liebe Grüße aus Wolfenbüttel, E$rika

Re: Spatzen und Pfaffenhütchen

Verfasst: 26 Okt 2025, 12:14
von Alcedo_
Erika hat geschrieben:
21 Okt 2025, 16:59
Hallo Alcedo,

ich will versuchen deine Fragen zu beantworten. Das Entblättern beginnt Mitte August. Spatzen sind in unseren Gärten - Reihenhausanlage - selbst im Winter am Futterhäuschen kaum zu sehen, es gibt auch keine Brutplätze in der Nähe. Umso auffälliger ist eben das Einfallen der Spatzen. Eine Präferenz - oben, unter, Mitte - konnte ich nicht feststellen. es wird der ganze Strauch angenommen. Mein Pfaffenhütchen bildet keine oder kaum Früchte aus, wird aber wunderbar rot. Mehr kann ich dir nicht erzählen.

Liebe Grüße aus Wolfenbüttel, E$rika
hallo Erika

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

im Laufe dieses Jahres hatte ich zufällig eine Naturdoku im TV gesehen (ich glaube bei 3sat, bin mir aber nicht mehr sicher) bei der ein ähnliches Verhalten bei einem männlichen Kleiber gefilmt wurde. er entlaubte ein kleines hochgewachsenes Gebüsch regelrecht und systematisch, das sich vor seinem Nistbaum befand, in dem gerade sein Weibchen brütete (das entlaubte Gebüsch war aber kein Spindelstrauch gewesen). auch diese Dokumentarfilmer rätselten darüber. am wahrscheinlichsten war wohl dass die Blätter die Sicht versperrten auf den potentiell jederzeit auftauchenden Erzfeind, den Sperber.

Kleiber sind bekanntlich schlechte Flieger, und sind auf abgesicherte Flugbahnen angewiesen.

ähnliches vermutete ich auch bei den von Dir beschriebenen Sperlingen, Erika. auch Sperlinge leben den ganzen Tag in permanenter Furcht vor dem Sperber. sie flüchten beim geringsten Anlass in ihre Hecken und gesicherten Gebüsche und üben solche Fluchten durch dauernde Probealarme für den Ernstfall. die besten Flieger sind sie ja auch nicht.

so wie Du das aber jetzt beschreibst ist meine Freie-Sicht-auf-den-Erzfeind - Hypothese falsch. wenn sie extra für die Entlaubungsaktionen deinen Garten aufsuchen, dann exponieren sie sich ja im Schwarm zusätzlich. sie machen das nur dann wenn es einen triftigen Grund dafür gibt.

jetzt bin ich fast so ratlos wie zuvor. habe so etwas in dem Ausmaß noch nie selbst beobachten können und mir ist ähnliches, außer der besagten TV-Doku, auch nicht bekannt.

dann sollte es höchstwahrscheinlich doch mit den Inhaltsstoffen dieser Pflanze zu tun haben. der Spindelstrauch befindet sich ab Mitte August bereits am Ende seiner Vegetationsphase. keine Ahnung inwieweit die Giftstoffe den unerfahrenen jungen Sperlingen dann überhaupt noch schaden könnten.

Sperlinge benutzen Pflanzenteile als Insektizide in ihren Nestern. das habe ich schon bei Blauraute zum Beispiel selbst beobachten können. sie zerfetzen aber einzelne Blätter davon regelrecht und tragen solche schnabelgerechte Blattfetzen mit frischen Rissen, direkt ins Nest wo sie dann in der Sommerhitze ausdünsten. sie nehmen sie nicht tief in den Schnabel wie Futter, sondern transportieren sie mit der Schnabelspitze. insgesamt wird solches Pflanzenmaterial eher - wie soll ich das am besten beschreiben - wie mit spitzen Fingern bearbeitet. als wäre es „heiß“. ein Heupferd zum Beispiel wird ganz anders traktiert und die Stücke davon werden ganz tief in den Schnabel genommen.
(bei uns haben sie im Haus gegenüber genistet - auch unter Dachziegeln - und die Blauraute hier direkt von unserem Balkon genommen und in die Nester getragen. keine große Mengen. aber schon zwei drei halbe Blätter pro Nest an einem Tag. es waren immer adulte Weibchen gewesen, hektisch im Brut- oder Fütterungsstress. einzelne Männchen waren manchmal auch dabei, aber sie waren wie mir schien nur zur Bewachung / Begleitung mit dabei. sie scannten eher die Umgebung hier auf dem fremden Balkon. wir füttern im Sommer nicht und im Winter kommen die Sperlinge auch seltener zu uns als Meisen. )

ich halte es für möglich, dass die Sperlinge mit solchen Entlaubungsaktionen wie Du sie beschreibst, Erika, ihre Jungvögel und sich, also den ganzen Trupp untereinander mit bestimmten Pflanzen „bekannt“ machen.


- gibt es andere Pfaffenhütchen -Sträucher in eurer Nachbarschaft? ich habe in den letzten Tagen mich hier im Siedlungsbereich bei uns mal umgeschaut, aber zu meiner Verwunderung, keine gefunden. oder ich hab sie übersehen. die wachsen hier eher am Waldrand und in manchen Parks.

- hast du Anzeichen für Gefieder- oder Schnabelpflege gesehen während dem Entlauben?

- interessieren sich die Vögel für die abgefallenen Blätter? machen sie darin am Boden Staubbaden?


Gruß
Alcedo
(aus der Nähe von Stuttgart)

edit:
einen Beitrag zu ätherischen Pflanzenteilen beim Nestbau hatte ich auch hier schon mal verfasst:
viewtopic.php?p=10454&hilit=blauraute#p10435

Re: Spatzen und Pfaffenhütchen

Verfasst: 26 Okt 2025, 16:01
von Erika
Hallo Alcedo,

danke für Deine ausführliche Antwort. Dann habe ich mit meinem "um die Ecke denken" nicht ganz falsch gelegen!
In den umliegenden Gärten gibt es keine Pfaffenhütchen, nur das bei mir. Du hast recht, nach dem knabbern werden die Flügelfedern geputzt und in den herabgefallenen Blättern wird gebadet. Ein Eintrag in die Nester findet wohl nicht statt, denn sie kommen wirklich in Scharen nur Ende August. Jetzt Ende Oktober kommt noch ab und zu ein Spatz, fliegt tief in den Strauch, so dass ich nicht beobachten kann, was er macht und verschwindet wieder.Ich werde im nächsten Jahr das Ganze noch genauer beobachten und Dir dann berichten.
Ich wünsche Dir eine schöne Woche!

Liebe Grüße aus Wolfenbüttel, Erika

Re: Spatzen und Pfaffenhütchen

Verfasst: 16 Nov 2025, 16:29
von Alcedo_
hallo Erika

Danke für die Bestätigung meiner Vermutung.

Ja, weitere Beobachtungen zu diesem Verhalten würde ich gerne lesen.
selbst versuche ich derweil auch hier im Umkreis solche solitären Spindelsträucher zu finden.

Gruß
Alcedo

Re: Spatzen und Pfaffenhütchen

Verfasst: 27 Mai 2026, 16:29
von Erika
Hallo Alcedo,

ich hatte ja versprochen das Thema Spätzchen und Pfaffenhütchen weiter zu verfolgen. Nun ist es wieder so weit, nachdem mein altes Pfaffenhütchen - wahrscheinlich durch Wassermangel - den Winter nicht überstanden hat, steht nun seit ca, drei Wochen ein gut belaubtes, neues Pfaffenhütchen in meinem Garten. Und siehe da, seit ca. einer Woche sind auch die Spätzchen wieder da. Sie kommen in Gruppen, verschwinden im Laub und zwitschern vor sich hin. Was sie im Baum/Strauch machen, kann ich nicht sagen, denn der neue Baum ist so stark belaubt, dass man die Vögel nicht sehen kann. Mein Nachbar hat beobachtet, dass ein Altvogel ein Junges fütterte. Im Moment beißen sie noch keine Blätter ab, aber man sieht, dass sich die dünnen Ästchen bewegen. Ich werde jedenfalls weiter beobachten.

Grüße aus Wolfenbüttel, Erika

Re: Spatzen und Pfaffenhütchen

Verfasst: 29 Mai 2026, 00:59
von Alcedo_
Danke für den Zwischenbericht, Erika!

bin gespannt was weiterhin geschieht. :)

Gruß
Alcedo

Re: Spatzen und Pfaffenhütchen

Verfasst: 27 Jul 2026, 08:29
von Werner M
Hallo Erika,

ich habe die Gelegenheit genutzt um die allwissende Google KI zum Thema zu befragen, das Ergebnis siehst du hier.
...

Das ist eine faszinierende Beobachtung. Was du dort siehst, ist ein hochspezialisiertes Verhalten zur Körper- und Gefiederpflege, das in der Biologie als „Einparfümieren“ oder im erweiterten Sinne als „Einemsen“ (Anting) bezeichnet wird. [1, 2]
Vögel nutzen Pflanzen wie den Spindelstrauch in diesem Fall als natürliche Apotheke und Kosmetik: [3]
## Die Gründe für dieses Verhalten

* Bekämpfung von Parasiten: Vögel leiden häufig unter Milben, Federlingen, Zecken oder Läusen im Gefieder. Die Blätter des Spindelstrauchs enthalten bittere, giftige Abwehrstoffe (Alkaloide und Glykoside). Wenn der Vogel das Blatt zerkaut, vermischt sich der austretende Pflanzensaft mit seinem Speichel. Das Reiben im Gefieder verteilt diese chemischen Wirkstoffe, die für die Parasiten giftig oder extrem unangenehm sind und sie abtöten oder vertreiben. [1, 2, 4]
* Linderung von Juckreiz: Während der Mauser (wenn neue Federn wachsen) oder bei starkem Parasitenbefall juckt die Haut der Vögel stark. Der kühle, leicht betäubende Pflanzensaft auf der Haut sorgt für sofortige Linderung. [4]
* Gefiederhygiene und Desinfektion: Die im Saft enthaltenen pflanzlichen Sekrete wirken oft auch antibakteriell und antifungal (gegen Pilze). Sie unterstützen die Gesunderhaltung der empfindlichen Federstruktur. [1]

## Ein bekanntes Phänomen
Dieses Verhalten ist besonders von Staren, Krähen, Amseln und Haussperlingen (Spatzen) bekannt. Wenn sie keine passenden Ameisen finden (deren Ameisensäure sie normalerweise für diesen Zweck nutzen), weichen sie auf stark aromatische, ätherische oder giftige Blätter, Kräuter oder sogar Zitronenscheiben und Tabak aus. [1, 2, 4, 5]
Da der Spindelstrauch reich an solchen Abwehrstoffen ist, haben die Vögel in deinem Garten ihn gezielt als ihre „Wellness-Station“ auserkoren.
------------------------------
💡 Konntest du beobachten, ob die Vögel dabei gezielt bestimmte Stellen (wie unter den Flügeln oder am Bauch) einreiben, oder machen sie das am ganzen Körper? [6]

[1] [https://de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Einemsen)
[2] [https://www.birds-online.de](https://www.birds-online.de/wp/bo/verha ... fuemieren/)
[3] [https://www.chewy.com](https://www.chewy.com/education/bird/tr ... n-branches)
[4] [https://centerofthewest.org](https://centerofthewest.org/2023/07/10/ ... g-rousing/)
[5] [https://www.monitant.de](https://www.monitant.de/de/okosystem-dienstleistungen/)
[6] [https://medium.com](https://medium.com/tourist-in-my-own-co ... 0f1289e388)

Re: Spatzen und Pfaffenhütchen

Verfasst: 12 Aug 2026, 13:08
von Erika

Re: Spatzen und Pfaffenhütchen

Verfasst: 12 Aug 2026, 13:25
von Erika
Hallo Werner,

Ich habe mich bemüht dir auf meinem Handy zu schreiben, die
Seite nimmt die Nachricht aber nicht an.Wenn mein C. wieder in Ordnung ist, melde ich mich.
Gruss aus Wolfenbüttel, Bärbel ( Erika)

Re: Spatzen und Pfaffenhütchen

Verfasst: 14 Aug 2026, 09:27
von Erika
Hallo Werner,
ichVersuche nochmals dir zu antworten. Mein Computer ist immer noch kaputt, aber vielleicht klappt es.
Die Spaetzchen sind wieder in Mengen da! Sie beissen die Blätter ab, dann noch etwas vom Blattstiel und schließlich sieht es so aus, als ob sie an der Wunde saugen würden. Dann werden die Fluegelfedern geputzt und weiter geht es zur Tränke. Danach fliegen sie wieder in den Strauch. Was mich ueberracht hat,war, dass es so aussieht als ob sie ihr Weibchen fuetter würden..
Da ich nach meinem Beinbruch noch nicht gut gehen kann, habe ich Zeit für weitere Beobachtungen.
Gruss aus Wolfenbüttel, Bärbel (Erika).