Huhu!
Ach menno, nun ist Helgoland 2019 schon wieder Geschichte für mich geworden. So macht's mir Spaß: Essen, Vögel kucken, schlafen. Und wieder von vorne.
Das Wetter war insgesamt zahm, es gab den üblichen straffen Wind und ein paar derbe Helgahuschen, aber darauf kann man sich einstellen, und so ein übler Bursche wie der Orkan Xavier vom Herbst 2017 blieb zum Glück in weiter Ferne.
Mit 75 Arten (davon 65 auf der Doppelinsel) habe ich das Niveau des Vorjahres nicht erreicht, aber das spielt mit 83 Arten auch in seiner eigenen Liga. Dafür trifft man immer häufiger Leute, die man aus früheren Aufenthalten schon kennt, und das ist auch ne feine Sache.
Vier Gebietsneulinge habe ich eintragen können - eine Bekassine, drei Feldsperlinge und einen Raufußbussard. Das sind aber erst drei, denn der Lifer kommt zuletzt, sonst wär's ja langweilig.
Am 2.10. bin ich im Oberland herumgeturnt, auch, um nach den Basstölpeln zu schauen.
Na ja, und irgendwann habe ich dann auch den Halbwüchsigen bemerkt, der da so malerisch auf dem Bauch lag, ach, und kucke: Er hat Kamera mit Tele vor der Nase.
Guten Morgen!
Zum Glück habe ich dann auch den Anlass seines Bodenturnens mitbekommen, nämlich diese Schneeammer hier:
Der Vogel hatte sich an nichts gestört, und schon gar nicht an den eigenartigen Gestalten mit dem Technikauge vor ihm.
Wer Helgoland als Birderin oder Birder besucht, kommt um die Große Treppe nicht herum, die Unter- und Oberland verbindet. Auf halber Strecke kann man verpusten (man hat ja auch ordentlich Ausrüstung dabei) und vor allem nach Kleinvögeln Ausschau halten, die sich häufig in nur einigen Metern Distanz aufhalten. Vor allem in den Morgen- und Vormittagsstunden empfielt sich dies, die Sonne steht im Rücken, und bei Westwind hat man leidlich Windschatten.
Man kann dort prima z.B. Wintergoldhähnchen beobachten, oder eben auch Gelbbrauen-Laubsänger - gerade diese scheinen ein Faible für die Große Treppe zu haben.
Basstölpel, natürlich! Ein Bericht von Helga ist ohne eine Aufnahme dieser tollen Vögel nicht komplett. Wenn nur der garstige Wind nicht wäre, der oben auf der Klippe beständig an einem herumzuppelt...
In diesem Jahr hatte ich mehrfach die Gelegenheit, Zwergschnäpper zu sehen und auch zu fotografieren. Dieser kleine Wicht hier hielt ebenfalls an der Großen Treppe Hof und versammelte eine nennenswerte Schar von LinsenträgerInnen vor sich.
Den Reiz von Helgoland machen übrigens nicht nur die Raritäten aus, sondern auch der Umstand, dass man an manchen Tagen Vögel, die man daheim immer mal wieder freundlich da oben irgendwo registriert, auf einmal vor der Nase hat. Das ist schon ziemlich wörtlich gemeint, und ich schreibe hier nicht von einem oder ein paar Vögeln. Wenn man z.B. vor den Büschen am Kringel steht und die Zilpies links wie rechts, oben wie unten nur so hochhüpfen, um sich im nächsten Moment wieder durchsacken zu lassen, dann ist das einfach geil.
Dieser Zilpzalp indessen ist mir im Buschwerk am Sportplatz vor die Kamera geflogen. Einen kleinen Exkurs zu den Zilpies gestatte ich mir noch, weil ich an einem Tag bei einer Vogelberingungsaktion anwesend war, die das Team der Vogelwarte dort gemacht hatte. Da flogen ihnen auch Zilpzalpe in die Fangnetze, und so hatte ich die Gelegenheit, die einschlägigen Aktivitäten wie Beringen, Vermessen und Wiegen aus nächster Nähe beobachten zu können. Das war schon sehr interessant, und ich war einigermaßen sprachlos, als ich gesehen habe, wie
winzig so ein Zilpzalp in einer Hand eines erwachsenen Menschen tatsächlich ist.
Ach so, Düne gab's auch.
Am 7.10. habe ich dort gepokert und mir gedacht, hm, der Wind hat ne Südkomponente, da könnte es vielleicht clever sein, zum Nordstrand zu gehen und das dann dort ruhige Wasser abzuscannen.
Die Idee war nicht so schlecht, ziemlich schnell hatte ich an der Nordostmole etwas auf etwa 30 m Entfernung im Wasser bemerkt, das nicht kormoranig aussah. Es war auch kein Taucher. Es waren nämlich, wie sich nach kurzer Zeit zeigen sollte, zwei Taucher, und zwar Sterntaucher. Juchz!
Sterntaucher sind für mich nicht alltäglich, dies hier war erst die dritte Gelegenheit, welche zu beobachten, und dann gleich mal zwei davon.
Es lohnt sich, einfach langsam herumzuschleichen. Sei langsam, und Du siehst mehr - und wenn Du noch langsamer bist, dann darfst Du vielleicht manchem Vogel wie diesem Erlenzeisig auch schon mal beim zweiten Frühstück zuschauen.
Wer die Insel kennt, weiß, dass man im Tang sowie in der schütteren Vegetation am Nordoststrand der Hauptinsel spannende Kleinvogelbeobachtungen machen kann. Im letzten Jahr hielt sich dort z.B. eine junge Zitronenstelze eine ganze Weile auf. Ja sicher, 98% der Vögel dort sind Wiesenpieper, und dann rennen da noch Bachstelzen rum. Manchmal auch Limis. Und ganz manchmal auch andere Vögel wie z.B. Strandpieper. Oder eben Ammern. Am letzten Tag habe ich mein Hasenherz in die Hand genommen und bin vorsichtig zu einer Gruppe offensichtlich sehr gezielt fotografierender Birder gegangen, um mich dort zu erkundigen, was es denn da gäbe...?
Na, eine Spornammer, wurde mir geantwortet. Und so war es denn auch.
Das war nun mein Insellifer 2019, den ich oben schon erwähnt hatte (nebenbei: Man sieht den namensgebenden Sporn übrigens sehr schön am linken Fuß).
Viele Grüße,
Steffen