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"Federico"

Verfasst: 12 Nov 2019, 18:42
von HenningAusBerlin
Bevor ich diesen Roman über Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen ganz weit weglege, sollte er wenigstens für einen Foreneintrag gut sein. ;-)

Eine Szene beschreibt eine Vogeljagd auf einen "Kardinal, einem rotgefiederten, hochbeschopften Papageienvogel", wohlgemerkt auf Sizilien um etwa das Jahr 1200.
Da ein Kardinal ja ein amerikanischer Vogel ist, wundere ich mich natürlich.
Einfach nur schlecht recherchiert (bzw. "künstlerische Freiheit") oder wie?
Wurde früher ein anderer Vogel in Europa "Kardinal" genannt?

Dazu mehr oder weniger passend noch ein Link auf das von Friedrich selbst geschriebene Werk über die Jagd mit Falken, noch im Vatikan im Archiv aber von der Uni Heidelberg gescannt und ins Netz gestellt.
Auch wenn man (so wie ich) kein Latein lesen kann, mit den Zeichnungen schön anzuschauen!

--Henning

Re: "Federico"

Verfasst: 13 Nov 2019, 09:29
von Anderl
Hallo Henning,
finde ich gut, dass du das liest! Grundlage fafür sollte "De arte venandi cum avibus" sein, das erste Standardwerk über die Falknerei. (gibt es zwar übersetzt, habe ich aber auch noch nicht gelesen) Was der amerikanische Kardinal allerdings in Sizilien gemacht haben soll ist mir auch schleierhaft. Sollte der Roman-Autor vielleicht einen Kreuzschnabel gemeint haben ...? Friedrich soll ja ansonsten ein sehr guter Beobachter und Kenner gewesen sein.

Re: "Federico"

Verfasst: 13 Nov 2019, 12:11
von Bodo
Amerika war ja damals (von Europäern) noch nicht entdeckt. Es ist sicher ein anderer Vogel gemeint (Namen verschwinden in den Zeitläufen mitunter, waren vielleicht auch damals nur begrenzt üblich, Übertragungsfehler sind gar nicht so selten). In Gesners Vogelbuch finde ich keinen ähnlichen Namen. Das ist die mir zugängliche Quelle, die zeitlich noch am nächsten an Friedrich dran ist (erste Hälfte 16. Jh.).

Gruß Bodo

Re: "Federico"

Verfasst: 13 Nov 2019, 13:26
von HenningAusBerlin
Ich habe auch vermutet, dass eigentlich ein Kreuzschnabel gemeint war. Da hat wohl die Autorin die Vögel verwechselt und sich eine kurze Recherche gespart. :roll:
Naja, Erstveröffentlichung des Romans war 1984, also weit vor Wikipedia und Google. Und bevor sie Romane schrieb, war Waldtraut Lewin als "Dramaturgin und Regisseurin für das Musiktheater" tätig - entsprechend wenig kann ich mit dem Schreibstil anfangen und werde das Buch wohl nicht weiterlesen... :D

Das Werk von Friedrich habe ich noch nicht gelesen, muss mal nach einer Übersetzung schauen.

--Henning

Re: "Federico"

Verfasst: 13 Nov 2019, 17:40
von martinmiethke
HenningAusBerlin hat geschrieben:
13 Nov 2019, 13:26
Ich habe auch vermutet, dass eigentlich ein Kreuzschnabel gemeint war.
Kreuzschnäbel sind aber nicht „hochbeschopft“. Ich habe eher an Wiedehopf gedacht …

Re: "Federico"

Verfasst: 19 Nov 2019, 09:06
von SunnyDo
martinmiethke hat geschrieben:
13 Nov 2019, 17:40
Kreuzschnäbel sind aber nicht „hochbeschopft“. Ich habe eher an Wiedehopf gedacht …
Naja, dafür ist der Wiedehopf aber nicht rotbefiedert ;-)

Ein Karmingimpel vielleicht? Der hat wenigstens ein bißchen Frisur.

Re: "Federico"

Verfasst: 19 Nov 2019, 11:53
von martinmiethke
SunnyDo hat geschrieben:
19 Nov 2019, 09:06
martinmiethke hat geschrieben:
13 Nov 2019, 17:40
Kreuzschnäbel sind aber nicht „hochbeschopft“. Ich habe eher an Wiedehopf gedacht …
Naja, dafür ist der Wiedehopf aber nicht rotbefiedert ;-)
Naja … Ansichtssache

Re: "Federico"

Verfasst: 19 Nov 2019, 16:35
von Maffong
Wenn ich das richtig verstehe, geht es bei dem Buch ja nicht vorrangig um Vögel, oder? Ich schätze die Autorin hat einfach schlampig gearbeitet und beschreibt tatsächlich den amerikanischen Rotkardinal. Womöglich heißt irgendein heimischer Vogel auf italienisch oder Latein auch Kardinal und bei einer schnellen Google-Suche ist sie dann halt auf die falsche Art gestoßen. Dementsprechend müsste der eigentlich gemeinte Vogel nichts mit dem rotgefiederten, hochbeschopften Papageienvogel zu tun haben, könnte zum Beispiel auch ein Stieglitz gewesen sein (Cardellino ist relativ nah an Cardinal dran).

Bemerkenswert kam mir jedoch eine andere Sache vor. In dem verlinkten Originalwerk von "Federico" ist ein weißer Kakadu abgebildet. Kakadus kommen aber eigentlich nur in Australien und dem äußersten Südostasien vor. Da das Buch von 1258-1266 stammen soll, finde ich es sehr überraschend, dass Kakadus schon im Vatikan bekannt gewesen sein müssen etliche Jahrhunderte bevor der australische Kontinent von Europäern "entdeckt" wurde.

MfG Maffong

Re: "Federico"

Verfasst: 19 Nov 2019, 18:57
von kickbiker
Maffong hat geschrieben:
19 Nov 2019, 16:35
Bemerkenswert kam mir jedoch eine andere Sache vor. In dem verlinkten Originalwerk von "Federico" ist ein weißer Kakadu abgebildet. Kakadus kommen aber eigentlich nur in Australien und dem äußersten Südostasien vor. Da das Buch von 1258-1266 stammen soll, finde ich es sehr überraschend, dass Kakadus schon im Vatikan bekannt gewesen sein müssen etliche Jahrhunderte bevor der australische Kontinent von Europäern "entdeckt" wurde.
Ein möglicher Weg dieses Kakadus nach Europa wird hier erörtert: https://pursuit.unimelb.edu.au/articles ... ry-sicily?. Eine deutschsprachige Zusammenfassung auf spektum.de https://www.spektrum.de/news/was-macht- ... en/1574554,