hallo Bodo
Danke für deine ausführliche Rückmeldung und für die Gedankenanstöße. du hilfst mir damit meine ursprüngliche Frage präziser zu formulieren:
Welche Vogelarten werden wir künftig häufiger bei uns sehen, bedingt durch Klimawandel und/oder andere Faktoren?
nach meinen Beobachtungen besetzt der Blutspecht urbane und rurale Habitate, die bisher n i c h t vom Buntspecht beansprucht wurden. er hat eine viel geringere Fluchtdistanz als alle anderen Spechte und meisselt seine Nisthöhlen in extrem junge Obstbäume ganz nah an den Haustüren der Menschen. so hat er die Karpaten überschritten und die pannonische Tiefebene im Sturm genommen. man könnte ihn fast schon als klassischen Kulturfolger bezeichnen, fast wie die Türkentaube. er ist weder in Wäldern anzutreffen noch in Gebirgsregionen. außerdem scheint er sich langsam zum Vegetarier zu mausern. auch das unterscheidet ihn von unserem Major-Specht.
seine westliche Ausbreitung ist ins Stocken geraten, ja. aber nach Osten macht er munter weiter und ist schon in Kasachstan angelangt. nach Westen hat er noch die geographische Barriere der Alpen /Bayerischer Wald vor sich und wahrscheinlich sind hier bei uns tatsächlich mehrere seiner typischen Biome bereits vom Buntspecht belegt. der erste Nachweis für D war, glaub ich, 2016 in Oberfranken. Hybridisierungen sind selten und haben noch keine Zwillingsarten beim evolutionären Auseinanderdriften aufgehalten (Rot- und Schwarzmilan, Zilpzalp/Fitis, u.a. selbst bei corone&cornix gibt es Hybride nur in einem ganz schmalen geographischen Streifen). hier geschieht Evolution quasi vor unseren Augen und das halte ich für sehr spannend.
nach Norden hin soll es nun jene erwähnte, sogenannte 18-Grad-Juli-Isotherme geben, als angenommene Verbreitungsgrenze für den blutigen Specht. das sehe ich skeptisch. diese Isothereme dürfte sich nicht weitgehend parallel zum Breitengrad definieren, sondern sollte in Flusstälern weit nach Norden fliessen, bzw. sich auffächern, was sich aber nicht mit der tatsächlich beobachteten Ausbreitung des Vogels deckt (wobei es da sicher auch Defizite gibt). es dürfte sich bei diesem wärmeliebenden Baumpicker wohl eher um eine bestimmte Tages-Helligkeitszeitdauer im Winter handeln, die die nördliche Ausdehnung dieses standorttreuens Jahresvogels begrenzt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Blutspech ... _new01.png
auf dieser Karte gibt es tatsächlich einen „Smiley“ in Polen, bei dem die Mundwinkel Odertal und Weichseltal nach oben zeigen, aber müsste das „grinsen“ nicht viel stärker sein? die „Augen“ dürften den Metropolen Warschau und Posen entsprechen.
warum schafft es der Blutspecht nicht bis nach Danzig? reichen die Energiespeicher nicht durch die langen Winternächte?
im Vergleich dazu: beim Schwarzkehlchen wird eine 12 Grad Celsius-Isotherme angenommen als „Nordgrenze“ (
"Die nördliche Verbreitungs- grenze des Schwarzkehlchens liegt in Europa im Bereich der 12°C-Juli-Isotherme (VOOUS 1962")) .
im Netz habe ich leider nur diese Grafik gefunden für die 10-Grad-Isotherme:
https://www.umweltbundesamt.de/themen/n ... textpart-5
weiß jemand wo man die 18-Grad-Linie finden könnte?
was den Spint betrifft, och da hat es in den letzten Jahren genug Wespen gegeben, die ihn anlocken dürften. wir könnten ihn ja Wespenfresser taufen, das wäre auch besser fürs Image.
@Martin:
Danke.
Grüße
Alcedo