Gefährliches Nistmaterial

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ilja
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Gefährliches Nistmaterial

#1

Beitrag von ilja »

Hallo zusammen,
gut nachvollziehbar sieht man gelegentlich, wie Leute im Freien ihren Hund ausbürsten. Bisher dachte ich dann eigentlich nur: Da freuen sich die Vögel über praktisches Nistmaterial. Aber das Haustierfell kann bei dieser Nutzung seine Schattenseiten haben, wie der letzte Beitrag in der nano-Sendung vom 19.2. berichtet (ab Minute 25:18).
Schöne Grüße. Ilja.
Arnd
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Re: Gefährliches Nistmaterial

#2

Beitrag von Arnd »

Hi Ilja,

das klingt zwar überzeugend, ist aber eine "urban legend". Man kann die Flohmittel in den Hundehaaren nachweisen, aber das beweist noch kein Risiko. (wenn jemand Spuren von Ethanol in Apfelsaft findet, wird man von Apfelsaft auch nicht betrunken. Es kommt auf die Dosis an.)
Ich habe das vor ein paar Jahren, als die Geschichte kursierte, mal durchgerechnet: ein Vogelküken könnte täglich dauerhaft sein eigenes Körpergewicht an Hundehaaren mit dem maximal gemessenen Wert fressen (!) und komplett absorbieren und trotzdem wäre nach den toxikologischen Daten (die gibt es für die Mittel) kein Effekt auf Vögel zu erwarten.
Ob man aus Vorsorgegründen trotzdem die Hundehaare lieber einpackt ist eine andere Frage...
Gruß

Arnd
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Skua
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Re: Gefährliches Nistmaterial

#3

Beitrag von Skua »

Hallo zusammen!

Neben den toxikologischen Effekten der Tierhaare sind auch einige Fälle von strangulierten Jungvögeln bzw. abgeschnürten Gliedmaßen durch Tierhaare bekannt. Die Vogeleltern machen es sich gerne leicht und nehmen das Überangebot an Nistmaterial gerne an, so dass eine gesunde Mischung verschiedener Materialien zum Nestbau teilweise nicht mehr erfolgt. Ob das Ausmaß der Gefährdung nun wirklich bedrohlich ist oder ob bedauerliche Einzelfälle aufgebauscht werden kann ich nicht beurteilen.

Zu der toxikologischen Gefährdung: Imidacloprid, der Wirkstoff vieler dieser Spot-on-Mittel ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Neonikotinoide. Diese haben schon in geringsten Konzentrationen Auswirkungen insbesondere auf Insekten. Bei einer sehr geringen Toxizität auf Menschen hat dies dazu geführt, dass sie in großem Maßstab als Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden und teilweise immer noch eingesetzt werden. Selbst subletale Dosen führen bei Insekten zu neurologischen Symptomen wie Orientierungslosigkeit. Viele Neonikotinoide sind als Pflanzenschutzmittel bereits verboten, da ein wesentlicher Zusammenhang mit dem Insektensterben naheliegt.

Ich bin nicht vertraut mit den Auswirkungen diese Wirkstoffe auf Vögel, und möchte daher nicht Arnds Einschätzung in Frage stellen. Generell ist jedoch die Freisetzung dieser Stoffe in die Umwelt sehr kritisch zu beurteilen. Wenn die Toxizität bei Vögeln ähnlich gering wie bei Menschen und Hunden ist, könnte ich mir sogar positive Effekte vorstellen, da Parasiten von den Vögeln ferngehalten würden.

Ich persönlich sehe oft diese Fellbüschel und finde sie sehr unschön, besonders wenn sie dann nass vermatscht rumgammeln.

LG, Skua
PetraS
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Re: Gefährliches Nistmaterial

#4

Beitrag von PetraS »

Hallo zusammen,

ein Artikel aus Spektrum.de

https://www.spektrum.de/news/pestizide- ... s/2251171

dazu.

Liebe Grüße
Petra
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ilja
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Re: Gefährliches Nistmaterial

#5

Beitrag von ilja »

Hallo zusammen, hallo Arnd,
vielen Dank für die Antworten und Diskussion. Wie wir auch dem von Petra verlinkten Artikel entnehmen können, bezieht sich der nano-Beitrag auf eine neue Studie (am 10. Feb. 2025 in Science erschienen). Sie untermauert eher das, was früher ggf. als Vermutung in Umlauf war und in manchen Aspekten vielleicht wie eine Urban Legend wirkt.
Von welchen Werten bist du denn damals bei der Abschätzung des Gegenteils ausgegangen, Arnd? Insbesondere wäre interessant, welchen LD50 (oder ähnliche Angabe der Toxizitiät) du für die Wirkung der Substanzen auf Vögel gefunden hattest. Die übliche Angabe des LD50 bezieht sich auf Mäuse und ist damit mit etwas Glück auf andere Säugetiere und hoffentlich Menschen übertragbar. Aber selbst innerhalb dieser Klasse kann das um Größenordnungen variieren. Man sollte einen Hund weder mit Theobromin (Kakao) noch mit Xylit füttern ;-).
Die für uns relativ unkritischen Insektizide aus den Medikamenten für Säugetiere sind demgegenüber für Vögel offensichtlich ähnlich hochtoxisch wie für die Gliederfüßer (Flöhe, Zecken, ...) auf die sie abzielen.
Ansonsten fände ich eigentlich Fell/Haare als Nistmaterialangebot ganz nett, sofern es kurz genug ist, dass es nicht zur Strangulationsfalle wird.
Schöne Grüße. Ilja.
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