Glückwunsch zu den schönen Beobachtungen und Bildern.
Mit so tollen Bildern kann ich nicht dienen, aber so gibt es einen kurzen Bericht ohne Bilder von meinem gestrigen Tag.
Wenn man mit Sonnenaufgang aus dem Auto steigt und die ersten lauten Vogelrufe von Kranichen kommt, kann es sein, dass man sich am Gülper See befindet.
Eigentlich wollte ich ja erst heute hin, aber der Wetterbericht hat mich bewogen auch schon den Donnerstag frei zu nehmen und den letzten Sommertag zu nutzen.
Bin am Ostufer gestartet, wo wir beim letzten Birdnet-Herbsttreffen letztes Jahr auch den Tag mit den aufwachenden Kranichen begonnen hatten. Der Abflug war um den Sonnenaufgang herum schon in vollem Gange, das Bild und die Akustik wieder spektakulär, auch wenn sicher noch lange nicht die maximalen Zahlen erreicht sind. So kann ein Tag anfangen! Bin dann das Südufer von der Mühle bis zum großen Turm entlanggewandert und habe immer wieder das Ufer auch nach Limis abgesucht.
Danach ein Abstecher in die Wiesen zwischen Gülpe und Parey, wo aber erwartungsgemäß nicht wirklich was los war und dann am frühen Nachmittag nochmal zum See ("Garage" und Turm).
Der Säbelschnäbler war nicht zu finden, ist auch an dem Tag nicht von anderen gemeldet worden. Vielleicht ist es ja der, der jetzt vom Rietzer See/Streng gemeldet wird.
An Limis gabs "nur" ein paar junge Alpenstrandläufer, Kampfläufer und Sandregenpfeifer, natürlich auch Kiebitze und drei Bekassinen. Die Sandregenpfeifer erweitern immerhin meine Jahresliste. Ein anderer Beobachter hat auch für morgens einen Trupp Große Brachvögel vom Südufer gemeldet, die habe ich aber nicht gesehen. Da mir nur ein anderer Beobachter aus Richtung Turm entgegenkam, war er wohl der Melder und die Gruppe ist danach abgeflogen, denn die hätte ich sicher nicht übersehen. Kleinere Limis oder einzelne Vögel können ja mal hinter einer Bodenwelle verschwinden (erst Recht für kleinere Menschen wie mich), aber ein ganzer Trupp so großer Vögel wohl eher nicht. So ist das eben mit Vögeln, sie warten nicht auf uns.
Außerdem gabs natürlich die Beinahe-Limis: z.B. Pseudotringa anascrecca oder Pseudocharadrius sturnusvulgaris...

Dominante Art war eindeutig die Graugans. Dazwischen ein paar kleine Trupps Saatgänse. Am Turm noch zwei Nilgänse (ich mag die!).
Ein oder zwei Spießenten unter den Enten, Pfeifenten schon eine ganze Menge. Erfreulich viele Haubentaucher, aber keine andere Taucherart.
Komischerweise habe ich kein einziges Blässhuhn gesehen, kann das sein?
Seeadler natürlich, ein paar einzelne und gegenüber vom Turm, also selbst fürs Spektiv schon eher weit weg, saßen 5 nahe beieinander.
Eine Trauerseeschwalbe meine ich weit weg gesehen zu haben. Lachmöwen, eine Sturmmöwe und viele Großmöwen. Bei den großen traue ich mich einige für mich als Steppenmöwen zu werten und meine auch ein paar halbwegs eindeutige Silbermöwen erkannt zu haben, ansonsten heißen sie eben einfach Emma und dürfen hybridisieren wie sie wollen.
Im Wäldchen auf dem Weg zum Turm habe ich mich über zwei "Nichtwasservögel" sehr gefreut: Ein Kleinspecht, der mir dieses Jahr bisher entwischt war und eine Tannenmeise, die ich zwar mal gehört hattte, die sich aber optisch schon letztes Jahr vor mir versteckt hatte.
In den Wiesen in der Grabenniederung habe ich die Zeit der Mittagshitze mehr zu Siesta und Picknick genutzt, vogelmäßig wars nicht so der Brüller, ist ja auch alles ziemlich trocken. Gefreut hat mich aber ein großer Schwarm an Feldsperlingen, ich weiß gar nicht, ob ich schon mal so viele auf einmal gesehen habe. Ein kleiner Greif sauste im Tiefflug über einen Acker zu der Gebüschreihe mit den Sperlingen. Ich habe ihn nur ganz kurz von hinten gesehen bevor er in einem Baum verschwand. Kann ja eigentlich nur ein Sperber gewesen sein.
Auf dem Rückweg nach Berlin habe ich noch einen Abstecher zum Trappenturm bei Buckow gemacht. Viel los war nicht, aber mindestens 12 Mäusebussarde, einer davon extrem hell waren schon irgendwie beeindruckend. Und eine Gruppe von männlichen Trappen kam futternd relativ nahe an den Turm, das war dann ein schöner Abschluss des Tages.
Heute stelle ich fest, dass ich offenbar außer Fuchs und Reh noch eine Gruppe von Nichtvögeln getroffen habe. Das gehört eigentlich in eine ganz andere Kategorie, aber die Pusteln und der Juckreiz, den ich heute an den Beinen habe, kommt nach meiner Recherche vermutlich von der Herbst- oder Erntemilbe Neotrombicula autumnalis. Beschreibung und auch das Starten des Juckreizes 4-36 Stunden später passt perfekt... Ich ahne an welcher Stelle in den Wiesen ich damit in Berührung gekommen bin, ich habe nahe am Turm auf dem Holzsteg sitzend Pause gemacht, mit den Beinen im hohen Gras. Na, ich werde es überleben.
