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Beobachtungen März 2019
Verfasst: 03 Mär 2019, 23:44
von Bourkinist
Hallo in die Runde,
wenn sich niemand an den März rantraut, dann mache ich halt den Fredöffner.
Wir waren heute trotz halbseidenen Wetters (windig, regnerisch) in der Große-Graben-Niederung im Havelland, und das war eine richtig gute Idee. Ich habe 32 Arten auf meine Tagesliste gebracht, davon waren 7 Arten Jahresneulinge. So hatten wir dort eine ganze Menge aktiver Feldlerchen, das tat richtig gut. Viele Gänse (Grau-, Bläss-, Weißwangen-) und noch mehr Enten tummelten sich dort (ein Entenparadies, wie es meine Freundin formulierte). Eine ordentliche Menge von Pfeifenten haben wir auch schon mal am Gülper See, aber jenseits der Hundert Spießenten habe ich noch nicht beobachten können, das war heute schon großes Kino.
Zwergsäger haben wir an zwei Stellen gesichtet.
Drollig fand ich folgendes: Auf einer Überschwemmungsfläche nördlich der Havel schwammen drei Zwergsäger, ein Männchen und zwei Madams. Eine der Grazien rückte dem Mister dann doch ziemlich auf die Pelle, indem sie ihm hinterher schwamm, bis sie praktisch 'ankoppeln' konnte - dies aber nicht tat, sondern anstatt dessen unmittelbar hinter dem Männchen (das darauf gar nicht weiter reagierte) kleine Hopserchen machte. Das war zu putzig!
Eine Art Vor-, Zwischen-, oder Sonstwie-Balz, interessanterweise von der Ente ausgehend? Um die Sache als solche kann es ja nicht gehen, da die Herrschaften ja demnächst ihre Koffer packen und gen Norden abschwirren.
Euch eine gute Woche,
Steffen
Re: Beobachtungen März 2019
Verfasst: 04 Mär 2019, 08:01
von Phoenix66
Hallo Steffen,
ein interessanter Bericht. Aber wo hattest du bloß wieder deine Kamera?
fragt ein interessierter Martin_B.
Re: Beobachtungen März 2019
Verfasst: 04 Mär 2019, 13:06
von martinmiethke
Bourkinist hat geschrieben: ↑03 Mär 2019, 23:44
(…) aber jenseits der Hundert Spießenten habe ich noch nicht beobachten können
Hallo Steffen, wenn du in der zweiten Märzhälfte nochmal wiederkommst, kannst du sie vierstellig haben

(wie auch die Pfeif- und Löffelenten)
Herzliche Grüße aus Gülpe – Martin
Re: Beobachtungen März 2019
Verfasst: 04 Mär 2019, 21:37
von Bourkinist
Hallo Martin & Martin,
die Kamera war natürlich dabei, schön in den Regenschutz eingemummelt, man ist ja lernfähig.
Aber es nieselregnete mal mehr, mal weniger, und es windete, und überhaupt. Man weiß es zwar vorher (für irgendwas muss das Meteorologiestudium ja gut gewesen sein), aber es hätte ja trotzdem sein können.
Wichtiger war der Spektivzwerg, obwohl der kleine mit dem flauen grauen Märzenlicht schon ganz schön zu tun hatte.
Was den Gülper See angeht, so ist unser Frühjahrsaufenthalt dort in fast trockenen Tüchern. Wir freuen uns schon darauf.
Ciao,
Steffen
Re: Beobachtungen März 2019
Verfasst: 05 Mär 2019, 21:56
von Rabe
Re: Beobachtungen März 2019
Verfasst: 06 Mär 2019, 16:40
von UliK
Hallo Raimund,
du hast ja tolle Bilder aus Holland mitgebracht. Mal sehen, wann ich mal wieder hinkomme.
Viele Grüße
Uli
Re: Beobachtungen März 2019
Verfasst: 06 Mär 2019, 19:30
von UliK
Eine besondere Beobachtung für mich waren gestern 3 Misteldrosseln. Die letzte Sichtung hatte ich im Februar 2017, also vor 2 Jahren.
Erst noch versteckt,

- Größe: 352.6 KiB, 3957 mal betrachtet
dann frei sitzend

- Größe: 244.73 KiB, 3957 mal betrachtet
VG Uli
Re: Beobachtungen März 2019
Verfasst: 06 Mär 2019, 20:47
von Richard
Na Ulrich, da kann man dann ja nur noch gratulieren.
Und mit einem gutem Bild ist die Beobachtung doppelt so schön.
Aber es ist schon erstaunlich das sich einem solche Allerweltsarten manchmal einfach nicht zeigen wollen.
Ich bin gespannt wer mich in diesem Jahr linkt
Liebe Grüße
Richard
Re: Beobachtungen März 2019
Verfasst: 09 Mär 2019, 14:59
von martinmiethke
Bourkinist hat geschrieben: ↑04 Mär 2019, 21:37
Was den Gülper See angeht, so ist unser Frühjahrsaufenthalt dort in fast trockenen Tüchern. Wir freuen uns schon darauf.
Für die vierstelligen Enten müsst ihr dann aber in die Grabenniederung

Re: Beobachtungen März 2019
Verfasst: 09 Mär 2019, 15:48
von Bourkinist
Das haben wir aus irgend einem schrägen Grund während unseres Rhinow-Aufenthalts am 23.03.2013 so gemacht - mit dem Bus rüber und dann von Wolsier nach Hohennauen gelaufen.
Mich fröstelt's immer noch, denn das war in etwa während des Höhepunkts (oder besser: Tiefpunkts) des damaligen harten Märzwinters. War das ar***kalt!
Sehr denkwürdig, das Ganze...
Re: Beobachtungen März 2019
Verfasst: 09 Mär 2019, 16:36
von martinmiethke
Bourkinist hat geschrieben: ↑09 Mär 2019, 15:48
Das haben wir aus irgend einem schrägen Grund während unseres Rhinow-Aufenthalts am 23.03.2013 so gemacht - mit dem Bus rüber und dann von Wolsier nach Hohennauen gelaufen.
Mich fröstelt's immer noch, denn das war in etwa während des Höhepunkts (oder besser: Tiefpunkts) des damaligen harten Märzwinters. War das ar***kalt!
Na das wird dieses Jahr (voraussichtlich) etwas anders sein
Übrigens sehe ich gerade (laut Signatur) eine Laufente in deiner Lifelist. Ist das ernst gemeint?

Re: Beobachtungen März 2019
Verfasst: 09 Mär 2019, 20:29
von Rabe
Der "holländische Löffler" ist wahrscheinlich in Frankreich beringt worden. Ich bin auf die Antwort gespannt.

Re: Beobachtungen März 2019
Verfasst: 09 Mär 2019, 21:29
von Bourkinist
martinmiethke hat geschrieben: ↑09 Mär 2019, 16:36
Übrigens sehe ich gerade (laut Signatur) eine Laufente in deiner Lifelist. Ist das ernst gemeint?
Aber sicher. Mit so etwas scherzt man doch nicht!
Ich habe den Vogel im Januar 2011 an der Greenwichpromenade am Tegeler See fotografiert und vor einiger Zeit bei der systematischen Durchsicht meines Bildarchivs wieder entdeckt. Ein Gefangenschaftsflüchtling, davon ist auszugehen.
In dem Kontext würde mich interessieren, ob es eine Konvention unter BirderInnen gibt, dass Zuchtformen, auch wenn man sie im Freiland sieht, für eine Life List nicht gezählt werden sollten.
Im Detail ist eine präzise Argumentation bzw. Setzung von Kriterien vermutlich gar nicht so einfach. Nehmen wir mal zwei fiktive Beispiele mit Hühnervögeln. Angenommen, ich bin auf einer Tagestour und sehe ein Brakelhuhn, das in einem Dorf frei herumläuft. Selbst ich würde dieses freundliche Brakeltier wohl eher nicht auf die Tages- bzw. Lebensliste nehmen. Werde ich aber 10 min später aus einer Wiese heraus von einem Fasan angebrüllt, dann freue ich mich nach dem ersten Schrecken und nehme ihn auf die Liste, obwohl der Bursche vielleicht auch erst vorgestern aus einem Zuchtbetrieb (möglicherweise sogar als Hybrid) freigelassen wurde.
2x Zuchtvögel, 1x LL nein, 1x LL ja?
Gruß,
Steffen
Re: Beobachtungen März 2019
Verfasst: 09 Mär 2019, 23:11
von Maffong
Nicht unbedingt der richtige Thread dafür, aber hier eine hoffentlich eindeutige Antwort, damit wir hier nicht vom eigentlichen Thema abweichen.
Grundsätzlich zählen auf der Lifelist nur lebendige und wilde Vogelarten, die man live und vor Ort beobachten konnte. Ob Beobachten in diesem Falle auch Hören einschließt darf hierbei jeder für sich selbst entscheiden. Zusätzliche Einschränkungen (z.B. nur fotografiert, nur ursprünglich heimische Vögel) darf sich jeder selber auferlegen, wenn ihm danach sein sollte, allzu häufig ist sowas bei "Top"-Ornis aber nicht.
Was als Art zählt, wird von verschiedenen Artenlistenkommissionen auf wissenschaftlicher Basis definiert, gängige Autoritäten sind hierbei IOC, Clements oder HBW (einfach mal googlen). Zusätzliche Unterarten, Hybride, Morphen, Zuchtformen kann man sich notieren und darf sie sehr gerne auf entsprechenden Seiten (ornitho, ebird, observado) melden, sie zählen aber nicht für die Lifelist, da diese sonst unnötig und unübersichtlich aufgebläht wird. Die Laufente kann daher eigentlich nicht gezählt werden, genauso wenig wie Hausente, Hausgans oder eine caudatus-Schwanzmeise. Ein Fasan kann gezählt werden, da nach Ockham's Rasiermesser ein "Wildvogel" in den allermeisten Fällen wesentlich wahrscheinlicher als ein Käfigvogel ist. Eine Ausnahme wären hier z.B. ein bunter Gummiring, coupierte Flügel oder evtl. das Gelände eines Zoos. In wenigen Fällen ist nicht klar ersichtlich, ob ein Vogel wahrscheinlicher ein Wildvogel oder ein Gefangenschaftsflüchtling ist, so z.B. bei Pelikanen in Deutschland, beim Gerfalken an der Küste oder bei Schneegänsen. Die Handhabung verschiedener Autoritäten ist hier leider eher diffus (s. z.B. neue deutsche Artenliste von Barthel & Krüger, 2018), aber ich plädiere für einen "benefit of the doubt". Das heißt, wenn absolut keine Hinweise auf einen Gefangenschaftsflüchtling zu finden sind (keine Ringe, keine beschädigten Federn, keine ungewöhnliche Menschennähe, etc.) und ein Auftauchen der Art nicht sehr unwahrscheinlich ist, darf von einem Wildvogel ausgegangen werden, denn ansonsten ist das Nachweisen eines Wildvogels nahezu unmöglich!
Ein zusätzliches Problem bergen hier Vögel, die an einem Punkt mit dem Menschen in Berührung gekommen sind, also entweder ausgesetzt oder gesund gepflegt wurden oder die mithilfe des Menschen "verschifft" wurden. Ab wann gilt eine Art als etabliert, können manche Populationen nur in Abhängigkeit des Menschen existieren, wie weit darf ein Vogel auf einem Schiff mitgereist sein um für die Liste in einem bestimmten Land zählen zu dürfen? Ich habe sehr großen Spaß daran diesen Fragen zu erörtern, aber man kann sie unendlich fein-tunen, deshalb gehe ich hier nicht weiter ins Detail.
Ich hoffe dies hilft dir, deine eigenen Beobachtungen klarer einzuschätzen. Hier noch als Richtschnur meine persönlichen Maßstäbe:
Es gelten sicher identifizierte gesehene & gehörte Wildvogelarten, ich richte mich nach dem IOC (und HBW), zähle sowohl etablierte Neozoen als auch wieder etablierte ehemalig heimische Arten, weitere Einschränkungen nehme ich nicht vor. Eine Laufente oder ein Brakelhuhn ist weder als Neozoon in Deutschland etabliert, noch eine eigenständige Art und sie können daher nicht gezählt werden.
MfG Maffong
Re: Beobachtungen März 2019
Verfasst: 10 Mär 2019, 00:47
von Bourkinist
Danke für die ausführliche und fundierte Antwort!

Bezüglich der Gefangenschaftsflüchtlinge erscheint mir die Position, falls ich sie zu der späten Stunde noch richtig aufgefasst habe, ziemlich puristisch zu sein: Selbst wenn ein Vogel als Vertreter einer anerkannten Art gesehen wurde (also kein Hybrid und keine Zuchtform), sollte das Tier nicht auf die Liste kommen, falls es nicht als im jeweiligen Gebiet etabliert gilt?
Man kann sich auch beliebige Beispiele dafür ausdenken, bei denen man einen für das jeweilige Gebiet sehr ungewöhnlichen Vogel auf 40 m Distanz im Okular hat und dann drüber sinnieren kann, a) was man da überhaupt sieht und b) ob das nun eher ein Gefangenschaftsflüchtling oder ein Irrgast ist. Und weil ich ne fiese Möpp bin, bestehe ich auf ein Beispiel, in dem b) nicht eindeutig zu entscheiden ist.
Aber vielleicht habe an dem Punkt nur etwas missverstanden, um die Zeit gehören ältere Leute sicherlich schon lange ins Bett.
Einen schönen Sonntag noch wünscht
Steffen