birdrace 2020

Eigene Beobachtungen in Text, Bild und Ton
Forumsregeln
Eigene Beobachtungen, Erlebnisse; Fragen zu Vogelbeobachtung, Nistkasten, Vogelfütterung, Krankheiten etc. Reiseberichte von mehrtägigen Birding-Touren bitte in das Forum Vogelgucker auf Achse.
Antworten
Benutzeravatar
Maffong
Beiträge: 627
Registriert: 29 Mär 2018, 12:50
Wohnort: Hamburg
Kontaktdaten:

Re: birdrace 2020

#1

Beitrag von Maffong »

Ich bin auch dieses Jahr wieder dabei. Bin sehr gespannt, wie viele Arten ich alleine in Hamburg finden kann, meine beiden Mitstreiter sind in Pinneberg und Hannover unterwegs. Ich hab echt viel gescoutet die letzten Wochen. Gemeinsam sind wir - in Anlehnung an die aktuelle Stuation - "The Masked Singer (aka Little Stints)".

MfG Maffong
Benutzeravatar
Annette
Beiträge: 1010
Registriert: 29 Mär 2018, 12:50
Wohnort: Berlin

Re: birdrace 2020

#2

Beitrag von Annette »

Ich wünsche allen Birdracern viel Erfolg!

Mathieu, falls Du es schaffst, berichte doch wieder hier. Dein Tagebucheintrag vom letzten Birdrace (war es das letzte? oder schon das vorletzte?) war sehr unterhaltsam zu lesen.

LG Annette
Benutzeravatar
Josefine
Beiträge: 139
Registriert: 29 Mär 2018, 12:50

Re: birdrace 2020

#3

Beitrag von Josefine »

Ich hatte mich dieses Jahr dazu entschieden in dem Landkreis unterwegs zu sein, in dem auch das Gebiet liegt über welches ich meine Bachelorarbeit schreibe.
Um 4:00 Uhr klingelte der Wecker und kurze Zeit später gings los aufs Rad. Die erste Art war natürlich wie so häufig ein städtischer Singvogel. Als zweites gab es dann eine überfliegende Waldschnepfe. Ich hatte eigentlich gehofft, dass ich n Uhu hören könnte, aber es war sehr windig und ich möglicherweise zu weit entfernt.
Noch 5 Uhr überraschte mich ein singender Gartenrotschwanz (allerding auch nicht der letzte des Tages). An meinem eigentlichen Ziel, einem Wald mit See, blieb zwar die erhoffte Nachtigall aus, aber ein Waldkauzpaar sang im Duett. Nach und nach gab es Waldarten und Co. Zum Verhängnis wurde mir der Kleiber. Weder im Wald noch den Rest des Tages gab es für mich einen zu hören.
Recht früh entschied ich mich weiter zu fahren um den Zug zu erwischen, da mein Hauptbeobachtungsgebiet tidenabhängig ist. Auf dem Weg blieb der Girlitz aus, aber es gab einen unerwarteten Baumpieper (direkt neben den Bahnschienen) und eine Schwanzmeisenfamilie. Bevor es mit dem Zug weiterging hatte ich noch Zeit auf das Zwischenahner Meer zu schauen. Dort gab es neben allen 3 Schwalbenarten, Mauersegler, Schellenten und zu meiner Freude eine Flussseeschwalbe (ja und niedliche Stockentenküken, die mit ihrerer Mutter rumschwammen).
Im Zielgebiet angekommen, kam dann die Ernüchterung. Der Wind hatte das Wasser stark reingedrückt und so waren alle Schlickflächen bedeckt. Mir blieb also nichts anderes übrig als die Felder abzusuchen und zu warten, dass das Wasser wieder abläuft.
Für viel mit dem Fahrrad rumfahren war der Wind zu fies und auch der Feldschwirl (Mittwochs hatte ich 3 singenden, beim Kartieren) ließ lange auf sich warten.
In der Hoffnung doch noch die ein oder andere Waldart zu bekommen, bin ich dann gegen Mittag in den nächstgelegenen Wald gefahren. Erfolglos. Bis auf eine schöne Pause und erneut einen Gartenrotschwanz (und viel Fahrradgeschiebe, dank Sandwege) gab es nichts neues. Wäre da nicht auf dem Hinweg der durchziehende Rotmilan gewesen...immerhin.
Kurzzeitig hatte ich überlegt einen größeren Wald im Landkreis aufzusuchen, da auf Ornitho jedoch noch einige Arten im Gebiet gemeldet waren, die noch meinem ganzen Team fehlten, entschied ich mich da zu bleiben und bis das Wasser abgelaufen ist, einen Teichrohrsänger zu suchen. Leider war es dank des Windes unmöglich die Strophen lange genug zu hören um den Vogel für mich sicher zu identifizieren.
Das abgelaufene Wasser brachte mir zum Schluss immerhin noch eine Bekassine und einen Flussregenpfeifer. Die anderen Limikolen hatten sich entweder auf dem Deich oder den umliegenden Feldern getummelt.

Am Ende bin ich auf 99 Arten, 67km mit dem Rad gekommen und zu der Erkenntis, dass sich länger im Wald sein lohnt. Immerhin hatte die Person, die auch im Landkreis unterwegs war nur 7 Arten mehr wie ich und ich hatte nie Zweifel an Gesängen und Co. Für die Bachelorarbeit gabs zusätzlich auch ein paar Erkenntisse und nochmal niedliche Kiebitzküken.

Bild
Kiebitz

Bild
Jede Menge Kampfläufer
martinmiethke

Re: birdrace 2020

#4

Beitrag von martinmiethke »

brennabor hat geschrieben:
04 Mai 2020, 18:11
In den Wiesen bei Fohrde gab es während der Mittagspause eine schöne Interpretation einer Rohrdommel, begleitet im Hintergrund von den obligatorischen Rohrsängern (Sumpf-, Drossel- und Schilfrohrsänger).
Hallo Steffen,

als „obligatorisch“ hätte ich in dieser Umgebung eigentlich eher den Teich- als den Sumpfrohrsänger angesehen. Überhaupt – Anfang Mai Sumpf-, aber kein Teichrohrsänger, das kommt mir seltsam vor. Bist du da wirklich sicher?

Mit skeptischen Grüßen – Martin
Benutzeravatar
Maffong
Beiträge: 627
Registriert: 29 Mär 2018, 12:50
Wohnort: Hamburg
Kontaktdaten:

Re: birdrace 2020

#5

Beitrag von Maffong »

Gerne berichte ich auch noch kurz von meinem Hamburger Birdrace, auch wenn es diesmal sicherlich nicht ganz so prosaisch daher kommt wie letztes Mal:
Dieses Jahr war ja alles ein bisschen anders. Zwar war ich wieder virtuell mit meinen Teamkollegen der "Little Stints" vereint, aber meine beiden Kollegen waren in Hannover und in Pinneberg unterwegs, wo sie sich selber eine Menge geiler (!) Arten erarbeitet haben. In Anbetracht der aktuellen Lage habe ich unseren Teamnamen dieses Jahr abgewandelt in "The Masked Birder (aka Little Stints)" und mich kurz vor Mitternacht auf die Socken in Hamburgs Osten gemacht. In den Grünlandflächen der Boberger Niederung und Umgebung hatte ich die große Hoffnung ein paar Nachtarten zu finden (Wachtel, Wachtelkönig, etc.), die aber anscheinend leider nicht rechtzeitig angekommen sind. Dennoch konnte ich bis 2:30 bereits 18 Arten sammeln, darunter auch einige wertvolle wie die Waldohreule, die fast allen anderen Hamburger Racern Probleme gemacht hat. Eine erste Überraschung gab es, als ein Marderhund vor mir den Weg entlanglief, ein Lifer! Bis hier hatte ich bereits 27 km Fahrradfahrt in den Beinen, dann ging es in den Hamburger Nordosten in den Duvenstedter Brook. Bis zum Anbruch des Tages gegen 4:50 konnte ich nochmal 10 Arten hinzufügen. Insgesamt cruiste ich ca. 50 km durch den Hamburger Nordosten und erreichte hier schon beinahe die 100-Arten-Marke, inklusive einiger Überraschungen oder wichtiger Arten wie Wendehals, Neuntöter, Haubenmeise, Baumfalke und Pirol, jedoch ohne einige Arten die jedes Jahr Probleme machen: Kleinspecht, Weidenmeise, Kleinspecht und Bekassine, überraschenderweise auch ohne Schwarzspecht oder Rotmilan.
Als nächstes folgte ein kurzer Abstecher an die Außenalster, die letztes Jahr Gold wert war, dieses Jahr jedoch sehr mau abschnitt. Hätte die Waldohreule nicht schon früh morgens geklappt hätte ich sie hier wahrscheinlich in Form einiger Halbwüchsiger bekommen, aber so hab ich mir den Abstecher dann gespart und mich stattdessen über die Verpflegung gefreut, welche meine Freundin mir dankenswerter vorbeibrachte. Währenddessen tauchten dankenswerter ein Wanderfalke und ein Rotmilan direkt über mir auf. An der Binnenalster klappten dann zumindest auch noch Steppen- und Mittelmeermöwe. Das Wetter machte übrigens recht gut mit, zwar gab es immer wieder ein paar kurze Regenschauer, aber die waren von der Intensität alle vernachlässigbar. Bis jetzt lief alles recht gut, außer dass ich meinem Zeitplan inzwischen über eine Stunde hinterherhing. Also schnell in die U-Bahn gehüpft und zum Öjendorfer See gefahren.
Ich hatte zwar bewusst keinen Rucksack sondern nur Fahrradtaschen eingepackt, aber das ausgeliehene Spektiv machte während des Fahrradfahrens ganz schön zu schaffen. Inzwischen war ich bei 80 km angelangt und hatte es so gut wie gar nicht benötigt und auch auf dem Öjendorfer See brachte es mir nichts. Enten oder Taucher waren kaum auf dem See, Greifvogelzug fand trotz guter Bedingungen kaum statt. Immerhin klappten hier dennoch die meisten Zielarten, zusätzlich überraschten mich ein Drosselrohrsänger, 1-2 Habichte (die in den letzten Jahren nie geklappt hatten, den ich dieses Jahr aber sogar schon im Wohldorfer Wald gehabt hatte) und hunderte Mauersegler und Schwalben, die durch einen Regenschauer kurzzeitig runtergedrückt wurden.
Als ich dann in Boberger Niederung ankam plötzlich der Schock: Mein Hinterreifen war platt, während die Zielarten hier (Kleinspecht und Weidenmeise) sich nich zeigten. Also musste ich widerwillig das Fahrrad entladen, umdrehen und das Hinterrad ausbauen. Zum Glück hatte ich gerade noch im allerletzten Moment das Flickzeug eingepackt. Eine halbe Stunde später war das Fahrrad wieder flott, aber ich lag zwei Stunden hinter dem Zeitplan. Mit ca. 110 Arten schien mir mein Ziel der 130-140 Arten arg weit weg und dann hatte ich das Gefühl, dass der Hinterreifen wieder Luft lassen würde. Das alles frustete mich ziemlich und ich spielte schon mit dem Gedanken hinzuschmeißen. Doch der Reifen hielt seine Luft und ich konnte weitermachen, und es lohnte sich! Im Landschaftskorridor Allermöhe entdeckte ich fast alles, was ich mir hier so erhofft hatte, inklusive einiger überraschender Pfeifenten und Silberreiher, sogar der sonst so problematische Grünspecht rief. In der Nähe waren wenige Stunden zuvor Seidenschwänze entdeckt worden, diese zierten sich jedoch leider vor mir. Auch im Kleinen Brook war mir das Glück mit Weißwangengänsen, Blässgans und einigen Limis hold. Ich strampelte also immer weiter, fand die meisten Zielarten zwischen dem NSG "Die Reit" und Holzhafen und stand plötzlich bei unfassbaren 137 Arten. Also nur noch 3 Arten, dann würde an der Zehnerstelle endlich eine 4 stehen. Doch nach inzwischen 120 km mit schlechtem Fahrrad und viel zu viel Gewicht (Spektiv) fing mein Körper an zu zicken. Ich musste eine weitere Pause einlegen, was mich aufgrund des S-Bahn-Plans insgesamt 20 Minuten kostete und so erreichte ich Neugraben erst kurz vor Sonnenuntergang. Dort angekommen stratzte ich wieder los und konnte in allerletzter Sekunde ein zuvor gescoutetes Braunkehlchen beobachten, dass dann sofort in der Wiese abtauchte um sich dort schlafen zu legen. Die Rebhühner machten mich kurz verrückt, als sie nicht dort waren, wo sie hätten sein sollen (waren dann 300 m weiter östlich) und schließlich hetzte ich noch einen Hügel rauf, an dessen Ende zwei Mandarinenten sitzen sollten. Aber es war zu spät, sie hatten sich offenbar schon in irgendeinen Baum verkrümelt um zu schlafen.
Immerhin fing die Nacht vielversprechend an, mit balzenden Waldschnepfen, heulenden Waldkäuzen und fiepsenden Waldkauzjungvögeln, aber weder Ziegenmelker noch Heidelerche wollten mir die Ehre erweisen und sich als 140. Art auf meine Liste gesellen. Wie sich später raustellte, wären sie wohl beide zwei Täler weiter westlich gewesen :(
Vollkommen erschöpft legte ich mich in die Heide und hoffte, dass eventuell noch eine Rotdrossel durchziehen möge oder sonstwas. Und nach einer halben Stunde dann plötzlich die Erlösung: "shreeee...shreee...shreee". Eine nicht für möglich gehaltene Schleiereule flog durch das Tal und machte mich unendlich glücklich :D
Ein letzter Versuch im Moorgürtel noch Wachtel, Wachtelkönig oder Sumpfrohrsänger zu bekommen, war wieder erfolglos, aber das war mir dann auch egal. Endlich hab ich die 140 geknackt, man bin ich glücklich darüber.
Am nächsten Tag hat mein Hintern mich böse gestraft und ich habe viel geflucht, aber das war es wert. Und dieses Jahr hat es auch sehr deutlich für den Hamburg-Sieg gereicht. 7 Arten Vorsprung hatte ich auf den Zweitplatzierten, einen vom Team "Hamburch, mein Perlhuhn", ihr erinnert euch vielleicht :P

MfG Maffong
martinmiethke

Re: birdrace 2020

#6

Beitrag von martinmiethke »

brennabor hat geschrieben:
05 Mai 2020, 19:51
Dein Einwand ist natürlich berechtigt. TRS hatte ich im Verlauf des Tages mehrere gehört. An dieser Stelle m.E. jedoch nicht, dafür "relativ" sicher (so sicher wie man bei Rohrsängern mitunter sein kann) einen SumpfRS. An dieser konkreten Stelle hatte ich auch in den letzten Jahren immer wieder sicher einen SumpfRS verhört.
Und eigentlich melde ich eher konservativ, d.h. im Zweifel lieber nicht.
OK, alles klar :-)
Benutzeravatar
Josefine
Beiträge: 139
Registriert: 29 Mär 2018, 12:50

Re: birdrace 2020

#7

Beitrag von Josefine »

Erstaunlich, dass es sich dann doch lohnen kann super früh anzufangen und spät aufzuhören.
Respekt, dass du das durchgezogen hast. Ich fand es schwer sich für lange Radstrecken alleine zu motivieren.
Antworten