Gerne berichte ich auch noch kurz von meinem Hamburger Birdrace, auch wenn es diesmal sicherlich nicht ganz so prosaisch daher kommt wie letztes Mal:
Dieses Jahr war ja alles ein bisschen anders. Zwar war ich wieder virtuell mit meinen Teamkollegen der "Little Stints" vereint, aber meine beiden Kollegen waren in Hannover und in Pinneberg unterwegs, wo sie sich selber eine Menge geiler (!) Arten erarbeitet haben. In Anbetracht der aktuellen Lage habe ich unseren Teamnamen dieses Jahr abgewandelt in "The Masked Birder (aka Little Stints)" und mich kurz vor Mitternacht auf die Socken in Hamburgs Osten gemacht. In den Grünlandflächen der Boberger Niederung und Umgebung hatte ich die große Hoffnung ein paar Nachtarten zu finden (Wachtel, Wachtelkönig, etc.), die aber anscheinend leider nicht rechtzeitig angekommen sind. Dennoch konnte ich bis 2:30 bereits 18 Arten sammeln, darunter auch einige wertvolle wie die Waldohreule, die fast allen anderen Hamburger Racern Probleme gemacht hat. Eine erste Überraschung gab es, als ein Marderhund vor mir den Weg entlanglief, ein Lifer! Bis hier hatte ich bereits 27 km Fahrradfahrt in den Beinen, dann ging es in den Hamburger Nordosten in den Duvenstedter Brook. Bis zum Anbruch des Tages gegen 4:50 konnte ich nochmal 10 Arten hinzufügen. Insgesamt cruiste ich ca. 50 km durch den Hamburger Nordosten und erreichte hier schon beinahe die 100-Arten-Marke, inklusive einiger Überraschungen oder wichtiger Arten wie Wendehals, Neuntöter, Haubenmeise, Baumfalke und Pirol, jedoch ohne einige Arten die jedes Jahr Probleme machen: Kleinspecht, Weidenmeise, Kleinspecht und Bekassine, überraschenderweise auch ohne Schwarzspecht oder Rotmilan.
Als nächstes folgte ein kurzer Abstecher an die Außenalster, die letztes Jahr Gold wert war, dieses Jahr jedoch sehr mau abschnitt. Hätte die Waldohreule nicht schon früh morgens geklappt hätte ich sie hier wahrscheinlich in Form einiger Halbwüchsiger bekommen, aber so hab ich mir den Abstecher dann gespart und mich stattdessen über die Verpflegung gefreut, welche meine Freundin mir dankenswerter vorbeibrachte. Währenddessen tauchten dankenswerter ein Wanderfalke und ein Rotmilan direkt über mir auf. An der Binnenalster klappten dann zumindest auch noch Steppen- und Mittelmeermöwe. Das Wetter machte übrigens recht gut mit, zwar gab es immer wieder ein paar kurze Regenschauer, aber die waren von der Intensität alle vernachlässigbar. Bis jetzt lief alles recht gut, außer dass ich meinem Zeitplan inzwischen über eine Stunde hinterherhing. Also schnell in die U-Bahn gehüpft und zum Öjendorfer See gefahren.
Ich hatte zwar bewusst keinen Rucksack sondern nur Fahrradtaschen eingepackt, aber das ausgeliehene Spektiv machte während des Fahrradfahrens ganz schön zu schaffen. Inzwischen war ich bei 80 km angelangt und hatte es so gut wie gar nicht benötigt und auch auf dem Öjendorfer See brachte es mir nichts. Enten oder Taucher waren kaum auf dem See, Greifvogelzug fand trotz guter Bedingungen kaum statt. Immerhin klappten hier dennoch die meisten Zielarten, zusätzlich überraschten mich ein Drosselrohrsänger, 1-2 Habichte (die in den letzten Jahren nie geklappt hatten, den ich dieses Jahr aber sogar schon im Wohldorfer Wald gehabt hatte) und hunderte Mauersegler und Schwalben, die durch einen Regenschauer kurzzeitig runtergedrückt wurden.
Als ich dann in Boberger Niederung ankam plötzlich der Schock: Mein Hinterreifen war platt, während die Zielarten hier (Kleinspecht und Weidenmeise) sich nich zeigten. Also musste ich widerwillig das Fahrrad entladen, umdrehen und das Hinterrad ausbauen. Zum Glück hatte ich gerade noch im allerletzten Moment das Flickzeug eingepackt. Eine halbe Stunde später war das Fahrrad wieder flott, aber ich lag zwei Stunden hinter dem Zeitplan. Mit ca. 110 Arten schien mir mein Ziel der 130-140 Arten arg weit weg und dann hatte ich das Gefühl, dass der Hinterreifen wieder Luft lassen würde. Das alles frustete mich ziemlich und ich spielte schon mit dem Gedanken hinzuschmeißen. Doch der Reifen hielt seine Luft und ich konnte weitermachen, und es lohnte sich! Im Landschaftskorridor Allermöhe entdeckte ich fast alles, was ich mir hier so erhofft hatte, inklusive einiger überraschender Pfeifenten und Silberreiher, sogar der sonst so problematische Grünspecht rief. In der Nähe waren wenige Stunden zuvor Seidenschwänze entdeckt worden, diese zierten sich jedoch leider vor mir. Auch im Kleinen Brook war mir das Glück mit Weißwangengänsen, Blässgans und einigen Limis hold. Ich strampelte also immer weiter, fand die meisten Zielarten zwischen dem NSG "Die Reit" und Holzhafen und stand plötzlich bei unfassbaren 137 Arten. Also nur noch 3 Arten, dann würde an der Zehnerstelle endlich eine 4 stehen. Doch nach inzwischen 120 km mit schlechtem Fahrrad und viel zu viel Gewicht (Spektiv) fing mein Körper an zu zicken. Ich musste eine weitere Pause einlegen, was mich aufgrund des S-Bahn-Plans insgesamt 20 Minuten kostete und so erreichte ich Neugraben erst kurz vor Sonnenuntergang. Dort angekommen stratzte ich wieder los und konnte in allerletzter Sekunde ein zuvor gescoutetes Braunkehlchen beobachten, dass dann sofort in der Wiese abtauchte um sich dort schlafen zu legen. Die Rebhühner machten mich kurz verrückt, als sie nicht dort waren, wo sie hätten sein sollen (waren dann 300 m weiter östlich) und schließlich hetzte ich noch einen Hügel rauf, an dessen Ende zwei Mandarinenten sitzen sollten. Aber es war zu spät, sie hatten sich offenbar schon in irgendeinen Baum verkrümelt um zu schlafen.
Immerhin fing die Nacht vielversprechend an, mit balzenden Waldschnepfen, heulenden Waldkäuzen und fiepsenden Waldkauzjungvögeln, aber weder Ziegenmelker noch Heidelerche wollten mir die Ehre erweisen und sich als 140. Art auf meine Liste gesellen. Wie sich später raustellte, wären sie wohl beide zwei Täler weiter westlich gewesen

Vollkommen erschöpft legte ich mich in die Heide und hoffte, dass eventuell noch eine Rotdrossel durchziehen möge oder sonstwas. Und nach einer halben Stunde dann plötzlich die Erlösung: "shreeee...shreee...shreee". Eine nicht für möglich gehaltene Schleiereule flog durch das Tal und machte mich unendlich glücklich

Ein letzter Versuch im Moorgürtel noch Wachtel, Wachtelkönig oder Sumpfrohrsänger zu bekommen, war wieder erfolglos, aber das war mir dann auch egal. Endlich hab ich die 140 geknackt, man bin ich glücklich darüber.
Am nächsten Tag hat mein Hintern mich böse gestraft und ich habe viel geflucht, aber das war es wert. Und dieses Jahr hat es auch sehr deutlich für den Hamburg-Sieg gereicht. 7 Arten Vorsprung hatte ich auf den Zweitplatzierten, einen vom Team "Hamburch, mein Perlhuhn", ihr erinnert euch vielleicht
MfG Maffong